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Lahn-Wanderfahrt 2006

(Evelyn Dörn, Christian Kösters, Johannes Stille, Wolfgang Friedrich, Jens Bradt, Uwe Schöpel, Christoph Krieger, Nicolas Seiffert)

Die diesjährige Wanderfahrt führte die Reha-Gruppe (Breitensportgruppe II) am 4. August nach Runkel an der Lahn, um sich von dort bis zur Mündung nach Lahnstein und weiter über den Rhein nach Bonn aufzumachen. Am Freitagmorgen machten sich bei grauen Wolken Evelyn und ihre Mannen Christian, Johannes, Wolfgang, Jens, Uwe, Christoph und Nico mit einem gesteuerten und einem ungesteuerten Dreier auf den Weg zum Lahnkilometer 66. Nach einem kleinen Umweg konnte auch auf Anhieb eine geeignete Einstiegsstelle unterhalb der Runkeler Schleuse im Schatten der mittelalterlichen Burganlage gefunden werden. Während sich Wolfgang als erster Landdienst mit Bus und Hänger verabschiedete, machten sich die übrigen Sieben an die Boote.

Die Anziehungskraft der Reha-Wanderfahrten ist dabei inzwischen so groß, dass diesmal ein Teilnehmer eigens aus Marokko angereist kam. Die ersten Kilometer der Fahrt führten – an staunenden Kanufahrern vorbei – noch durch die Stromschnellen der Lahn. Kurz danach kamen wir aber schon in ruhigere Gewässer. Die Herausforderung während der ersten Tagesetappe war nicht so sehr die rund 40 Ruderkilometer, sondern die zahllosen Schleusen (welche einen entsprechenden Durchsatz von Schleusenbieren mit sich brachten). Die Fahrt führte dabei durch das enge, idyllische Lahntal, in dem man sich wie in eine andere Zeit versetzt fühlt (es gibt dort nicht einmal Handyempfang).

Nach besagten diversen Schleusenbieren und einem ausgiebigen Picknick erreichten wir das Ziel unserer ersten Tagesetappe, den idyllischen Ort Laurenburg. Da dieser Ort in einem wirklich abgeschiedenen Teil des hier sehr engen Lahntals liegt und deshalb selbst die E-Plus-Fraktion keinen Empfang hatte, konnten wir einen ungestörten Abend bei großen Schnitzelportionen zu sehr zivilen Preisen im Gasthaus „Zum Lahntal” verbringen. Wir übernachteten im Tanzsaal des besagten Gasthofes, der sich sicher noch gerne an viele feuchtfröhliche, längst vergangene Bunte Abende des Junggesellenvereins oder der Freiwilligen Feuerwehr Laurenburg in den 60er und 70er Jahren erinnert.

Nachdem die Nacht für die einen mehr und für die anderen weniger abwechslungsreich verlief – unser Gast aus Marokko schien im Schlaf von wilden Beduinen verfolgt zu werden – wartete auf uns ein reich gedeckter Frühstückstisch. Allein die doch sehr weich gekochten Eier stellten für einige ein kleines Hindernis dar. Nicht das einzige, wie sich später herausstellen sollte. Gut gestärkt und noch beseelt von der Ruhe der Lahn am Vortag, ging es zu den Booten. Mit viel Klebeband und nicht zuletzt dank eines ausgeklügelten Sachverstandes wurden sowohl die „Gartenfrisch” als auch „Ferdinand Herber” rheintauglich gemacht. Wir stärkten uns lieber von innen – klar, wie auch sonst. Gut, dass Uwe für einen entsprechenden „Klopfer-Proviant” gesorgt hat. Für alle, denen dieses kleine Ding kein Begriff ist, die aber schon ahnen, um was es sich handelt: Ja, ein Klopfer enthält auch Alkohol. Jetzt konnte der zweite Tag unserer Lahn-Wanderfahrt beginnen.

Der relativ zeitige Aufbruch in Laurenburg war erforderlich, da im Abschnitt von Obernhof bis Lahnstein sage und schreibe 7 Schleusen auf lediglich 27 km passiert werden mussten. Glücklicherweise kamen uns bei diesem „Schleusenhopping” keine Kanuten in die Quere, die sich vor allem auf den oberen Lahnabschnitten tummeln. Die Aufforderung des Schleusenwärters in Ahl, uns kräftig in die Riemen respektive Skulls zu legen, damit wir zusammen mit dem mit uns gemeinsam geschleusten Motorkahn die nächste Schleuse erreichen, entlockte uns nur ein mühsames Grinsen. Locker versägten wir den Kahn trotz zwischenzeitigem Zwangshalt, bedingt durch Angelschnüre an einer Stelle, wo diese einfach nicht hingehörten. Mit den Eindrücken des sehr schönen Lahntals und der teilweise interessant geführten Schleusenkanäle mit ihren Schleusen, deren Erbauung bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgeht, legten wir in Lahnstein noch eine Mittagspause mit Blick auf die Burg Stolzenfels ein, bevor es an die zweite Herausforderung des Tages ging.

Mit gefülltem Bauch und neuem Elan ging es nun auf die Inkarnation der deutschen Flüsse schlechthin – den Rhein. Insbesondere diejenigen unter uns, die bisher noch nie auf dem Rhein gerudert hatten, waren gespannt, was denn nun wohl passieren würde, zumal sie von den bereits Rhein-erfahrenen Ruderern im Vorfeld so einige Schauergeschichten erzählt bekommen hatten. Aber nun gab es ohnehin kein Zurück mehr und niemand wollte sich eine Blöße geben. Unter Federführung unserer „alten Hasen” kamen wir jedoch problemlos voran, und schon nach kurzer Zeit konnten wir das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. am Deutschen Eck in Koblenz bewundern. Auch die nachfolgenden verbliebenen Tages-Kilometer stellten uns vor keine größeren Schwierigkeiten mehr, so dass wir dann am späten Nachmittag unbeschadet an unserem Etappenzielort in Neuwied eintrudelten. Hier kamen dann gleich wieder nostalgische Erinnerungen bei unseren EUREGA-gestählten Mitruderern (Anmerkung: 45 bzw. 100 km Rhein-Regatta) auf, und Pläne bzgl. einer möglichen Teilnahme an der kommenden Regatta im Jahr 2007 wurden schon einmal in den Raum gestellt. Am Abend sollte dann noch das Nachtleben in Neuwied genauer unter die Lupe genommen werden. Im Rahmen eines zufällig gerade stattfindenden kleineren Volksfestes kamen wir dabei zu unserer eigenen Überraschung in Kontakt mit einer uns bisher unbekannt gebliebenen lokalen Showgröße, die in dieser Gegend Kultstatus erlangt hat.

Am nächsten Morgen genossen wir noch in der Bootshaus-Gaststätte ein leckeres Frühstück, und begaben uns dann mit vollem Schwung auf die letzte Etappe. Leider musste Christoph uns schon morgens verlassen. Er brachte netterweise noch den Vereinsbus nach Bonn vor, um sich dann eilends auf die Weiterreise zu machen, während der Rest sich durch Wind und Wellen den Fluss hinunterkämpfte. Schon bald nach dem Ablegen passierten wir mit dem Andernacher Loch den ersten der berüchtigten Flussabschnitte, der es regelmäßig zur Herausforderung macht, zwischen Wellen und Felsen den optimalen Kurs zu finden. Wir hatten aber Glück mit dem Wetter – es war trocken, teilweise sonnig, und der Wind ließ die Wellen höchstens lästig, aber nicht gefährlich werden, so dass der Ritt durch das Andernacher Wellental glücklich verlief. Nachdem wir diese Herausforderung gemeistert hatten, luden uns ein Steg und ein großer Kiesstrand beim Kanuclub in Sinzig ein, um dort zur Mittagspause anzulanden. Für einen unerschrockenen Veteranen (seines Zeichens Johannes) war es sogar warm genug, um in der Mittagspause seine übliche Runde diesmal im Rhein zu schwimmen.

Nach der kleinen Pause ging es dann nach Remagen, mit den Resten der Brücke, die in den letzten Kriegstagen eine wichtige Rolle spielte, und es folgte prompt der nächste verrufene Abschnitt bei Unkel. Aber der allergrößte Teil der Fahrtstrecke ließ sich locker und problemlos rudern, so dass wir auf jeden Fall eine schöne Abschiedsetappe hatten. Daran änderte auch der zunehmende Wellengang auf dem letzten Stück durch die Bonner Vororte nichts mehr – spätestens ab der Insel Nonnenwerth, jener Stelle, wo der Rhein sich in drei Arme teilt, mussten wir ständig auf die Wellen Acht geben und uns teilweise so dicht am Ufer halten, wie das Anleger, Fähren usw. zuließen. Dazu das verstärkte Fährenlotto (Fährt sie oder fährt sie noch nicht? Wer falsch tippt, muss warten und fällt gleich einige hundert Meter zurück), aber zum Ausgleich hat der Rhein ja eine beachtliche Strömung, und viel zu schnell war die Wanderfahrt am Steg der Bonner RG zu Ende. Dort haben wir die Boote ausgehoben, abgeriggert und verladen, und wir konnten dort auch duschen. Die Rückfahrt im Vereinsbus verlief glatt und ohne Stau, so dass wir am Sonntagabend noch die Boote waschen und wieder aufriggern konnten.

Insgesamt war es eine vor allem auch landschaftlich sehr reizvolle und ereignisreiche Wanderfahrt, die allen Mitruderern viel Spaß gemacht und Schwielen gebracht hat. Dem Organisationsteam sei es gedankt! So hat uns die Strecke von 138 Kilometern, die wir in diesen drei Tagen zurücklegten, nicht abgeschreckt, sondern im Gegenteil zu weiteren Taten ermutigt, die 2007 folgen werden.


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