Wappen
FRANKFURTER RUDER-GESELLSCHAFT OBERRAD 1879 E.V.  

Home
Aktuelles
Über uns
Kinder / Jugend
Leistungssport
Breitensport
Wanderfahrten
Rudern lernen
Gastronomie
Termine
Trainingszeiten
Links

Main-Wanderfahrt Kleinheubach-Aschaffenburg-Frankfurt 2009

5./6. September 2009

(Tobias Rehbock)

Teilnehmer: Karen Friedrich-Voß, Eva Hoffmann, Uwe Schöpel, Jörg Scheiner, Martin Jahn, Tobias Rehbock

5. September

In guter Stimmung trafen wir uns am Samstag Vormittag, um die Boote zu verladen. Parallel sammelten sich im Rudererdorf Teilnehmer für einen Firmen-Ruder-Wettkampf, die alle naselang auf das Vereinsgelände strunzelten und irgendwelche Fragen hatten oder - noch schlimmer - ohne zu fragen sich anschickten, irgendwelche Gegenstände aus dem Bootshaus zu holen. Von unserer Seite hatte Uwe den Wettkämpfern die „Gartenfrisch” zur Verfügung gestellt, einen absolut Wanderfahrt-tauglichen Dreier-Gig eigentlich. Wir griffen für unsere Wanderfahrt deshalb auf den „Flotten Dreier” (gefahren als Zweier ohne) sowie den „Ferdinand Herber” (umgebaut zum Dreier mit Steuersitz) zurück. Das Abriggern und Aufladen ging flott von der Hand, das Wetter war bestens. Als Fahrer hatte sich Philipp zur Verfügung gestellt. Als alles vorbereitet war, wurde noch eine künstliche Pause eingelegt, bevor es dann endlich losging! Die Stimmung war also gut und Jörgs kindliche Vorfreude erreichte ihren Höhepunkt, als er begeistert aus dem Busfenster rief: „Günther, wir fahren jetzt Rudern!”. (Günther war ein Herr fortgeschrittenen Alters, der offenbar Teilnehmer am oben erwähnten Ruder-Ereignis war und eher zufällig unserem Vereinsbus im Wege stand).

Die Fahrt nach Kleinheubach streckte sich so ihre Zeit (etwa 1 Stunde), bevor wir auf dem dortigen Campingplatz einfuhren und auf einer geräumigen Wiese direkt am Mainufer parkten. Nach dem Abladen und Aufriggern wurde nun wiederum eine Pause eingelegt, die aber durch eine erste Runde Obstschnaps der Marke „Flic Flac” (oder so ähnlich) deutlich aufgewertet wurde, gespendet von Uwe. Nachdem Philipp mit Bus und Hänger von dannen war, begann nun die eigentliche Wanderfahrt! Das Wetter hatte sich deutlich verschlechtert, dunkle Wolken schoben sich über das Maintal. Das Wasser war unfreundlich. Insgesamt präsentierte sich die Wetterlage dann aber doch wechselhaft, sodass wir auch wieder sonnige Abschnitte genießen konnten. Die Fahrt durch das schöne Maintal ging flott vorwärts. Die erste Schleuse - und damit Gelegenheit zu einer etwas ausgedehnteren Pause - erwartete uns nach ca. 9 km bei Kilometer 113 in Klingenberg, einem 6000-Einwohner-Ort mit historischer Altstadt (von der wir freilich nichts sahen). Die Strecke führte nun vorbei an Weinbergen; wir passierten Wörth am Main (knapp 5000 Einwohner) sowie Elsenfeld (knapp 9000 Einwohner).

Zu einem ersten Stimmungstief kam es kurze Zeit später, als wir nach geruderten 21 km in Höhe Kleinwallstadt (Kilometer 101) die nächste Schleuse vor uns hatten. Wir mussten an der Schleuse warten, währenddessen uns ein ätzender Regenschauer überflutete, der nicht nur nass war, sondern auch die Temperatur empfindlich fallen ließ. Diese schwarze Wolkenbank war pünktlich vorüber gezogen und die Sonne kam wieder heraus, nachdem wir alle Schleusenmanöver erfolgreich absolviert hatten. Der Erleichterung darüber wurde sogleich mit einer neuen „Flic-Flac”-Runde gedacht, bevor wir an Großwallstadt (4000 Einwohner) vorüber ruderten; einem Ort, der u.a. durch den Handball-Bundesligisten TV 1888 überregionale Bekanntheit erlangt hat.

Wir kamen dank unserer jugendlichen Kraft schnell voran. Die letzte Schleuse vor unserem Etappenziel Aschaffenburg war Obernau (Kilometer 93). Die Sonne schien nun aus allen Löchern und veranlasste uns zu einer längeren Pils-Pause. Spontan aufgenommene Fotos zeigen die Gruppe sich entspannt räkelnd auf dem Waschbeton des Schleusengeländes, um so der Nachwelt die unvergleichlich gute Stimmung und das hervorragende Wetter zu dokumentieren. Wenige Kilometer später, nach einer deutlichen Main-Rechtsbiegung, erreichten wir nach insgesamt etwa 30 Kilometern das Gelände des Aschaffenburger Ruderclubs von 1898. Wir waren so weit vor der verabredeten Zeit dort, dass wir beinahe vor verschlossenen Toren gestanden hätten. Ein im Aufbruch befindliches Club-Mitglied ließ uns aber noch gerade so auf das Gelände.

Wir bezogen die Räumlichkeiten und breiteten uns im Fitnessraum mit allen Taschen und Isomatten aus. Nach dem Duschen und sonstigen Verschönerungsarbeiten durften die männlichen Teammitglieder Zeugen werden, wie sich Karen und Eva gegenseitig den Rücken massierten. Erst danach war die Zeit gekommen, um in die Innenstadt aufzubrechen und dort den schönen Tag bei einem zünftigen Essen zu beschließen. Zwei Mitglieder des Aschaffenburger Ruderclubs, die zu unserer verabredeten Ankunftszeit am Vereinshaus eintrafen, um uns zu begrüßen, empfahlen uns das Lokal „Schlappeseppel”. Der Andrang in genannter Wirtschaft schien tatsächlich auf eine ausgesprochen gute Küche hinzudeuten; letztlich blieb das Essen jedoch etwas hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück. Insbesondere die Tatsache, dass die eher mittelmäßig warmen Gerichte kaum fünf Minuten nach der Bestellung schon auf dem Tisch standen, stand im Widerspruch zu unserer Hoffnung auf eine frisch zubereitete Mahlzeit. Ein anderes Erlebnis machte den Besuch im „Schlappeseppel” jedoch trotzdem unvergesslich. Am Nebentisch fiel eine weiblich geprägte Gruppe auf, die durch das ständige Ausbringen von Trinksprüchen auf sich aufmerksam machte. Insbesondere versuchten die Damen ihr eigenes Älterwerden durch folgenden gesprochenen Gruppendialog zu überspielen:
„Wie kamen wir zusammen? – Sternförmig!”
„Wie gehen wir auseinander? – Nie!”
„Warum? – dabei mit dem Hintern wackelnd – Weil wir so sexy sind!”
Der letzte Satz war natürlich eine schlimme Lüge. Dies veranlasste uns, den Dialog ebenfalls darzubieten, damit der letzte Satz seinen Wahrheitsgehalt zurück bekam. Nach dem Besuch im „Schlappeseppel” kehrten wir noch in der „Wohlfühlerei” ein, einer Art Mischung aus Bistro und Cocktail-Bar, wo wir noch einen Absacker zu uns nahmen. Auf dem Rückweg zum Ruderverein wurde auf Grund der Müdigkeit aller die Stimmung etwas gedämpfter und es entwickelten sich sinnfreie Gespräche wie diese:
Martin: „Die Poller stehen aber auch gefährlich hier.”
Jörg: „Ja. Philipp ist neulich gegen einen gelaufen. Das war aber kein Wellmann-Poller! Seitdem achten wir immer darauf, ob die Poller Wellmann-Poller sind.”
Martin (etwas später): „Erstaunlich, wie es hier nach Feuchtigkeit und nasser Erde riecht!”
Zurück im Ruderverein war Nachtruhe angesagt.

6. September

Wir schälten uns nicht zu spät aus unseren Schlaftüten und nahmen ein extra für uns bereitetes Frühstück zu uns. Draußen herrschte prächtiges Ruder-Wetter mit viel Sonnenschein. Nichts stand einem prima Rudertag im Wege. Wir kamen zeitlich gut los. Das war wichtig, denn wir wollten vor einer definierten Zeit Hanau passieren, bevor dort der Main für den ganzen Nachmittag wegen einer Veranstaltung gesperrt werden sollte. Der Main macht nach Aschaffenburg eine Menge Windungen; eine Herausforderung für jede Steuerfrau bzw. jeden Steuermann! Wie Perlen auf einer Kette reihen sich hier die kleinen Ortschaften und Städtchen zu beiden Seiten des Flusses aneinander: Stockstadt, Mainflingen, Karlstein, Seligenstadt, Krotzenburg, Hainstadt usw. - bis man schließlich in Hanau ist.

Die erste Schleuse nach Aschaffenburg passierten wir bei Kilometer 78 bei Kleinostheim, kurz vor der Unterquerung der A45. Die Sonne schien nun sehr stark - gut, dass wenigstens einer an Sonnencreme gedacht hatte… Das Rudern ging zügig, wir erlaubten uns nur kurze Pausen. An der darauf folgenden Schleuse bei Klein-Krotzenburg (Kilometer 64) ging es nur mühsam voran. Entsprechend legten wir uns die restliche Strecke bis Hanau ordentlich ins Zeug und schafften es gerade noch so vor der Sperrung, Hanau zu passieren. Anschließend war wieder Zeit für gemütliches Rudern mit Pausen und alkoholischen Getränken. Nervend fielen jetzt allerdings die vielen Wasserskifahrer auf, die ein ständiges „Ruder halt!” erforderten. Die nächste Schleuse (Kilometer 53) erreichten wir kurz vor Mühlheim; unsere zurückgelegte Ruderstrecke betrug hier 70 km. Beim Mühlheimer Ruderverein gingen wir dann an Land, um uns für die letzten 10 km noch einmal ordentlich auszuspannen. Ein vor Ort befindlicher Eiswagen half dabei mit: Jeder von uns gönnte sich eine mehr oder weniger große Eisportion.

Den krönenden Abschluss der Wanderfahrt bildeten dann zwei Erlebnisse an der Offenbacher Schleuse. Dort entschlossen wir uns ob der Langsamkeit der Sportbootschleusentechnik zum Umtragen. Vor uns befindliche Freizeitkapitäne (Vater mit Sohn) fragten uns dabei um Hilfe für das Umtragen ihres Schlauchbootes mit Außenbordmotor. „Das kann man mit zwei Erwachsenen tragen!” war da die Auskunft. Wir waren auch so blöd, dies zu glauben und halfen gern. Nachdem wir zu fünft oder sechst (so genau ist das in der Erinnerung nicht mehr feststellbar) das Boot zur anderen Schleusenseite gewuchtet hatten und dabei um ernsthafte Rückenschäden gerade so drumrum gekommen waren, konnten wir unsere eigenen Boote samt Ausrüstung endlich auch umtragen.
Gerade beim Fertigmachen für die letzten Meter bis zum FRGO-Gelände fiel uns im Schleusenvorbecken eine ums Überleben kämpfende Taube auf. Nun käme es auf eine Taube mehr oder weniger auf dieser Welt kaum an (dachten fünf von sechs Leuten…), allein Eva schritt zur Tat und navigierte allein(!) mit nur einem(!) Skull den „Ferdinand Herber” (natürlich das größere der beiden Boote) an diese Taube heran, um sie aus dem Wasser zu ziehen. Anschließend beobachteten wir fasziniert, wie sich die Taube entkräftet den Hang hinauf schleppte.

Kurze Zeit später legten wir am Steg an und unsere schöne zweitägige Wanderfahrt war nach 80 km zu Ende. Ich denke, allen die daran teilgenommen haben, hat es gut gefallen.

Etappen:
Kleinheubach - Aschaffenburg: 32 km
Aschaffenburg - Frankfurt: 51 km


Copyright 2006-2011 FRGO e.V. Impressum Kontakt